01 In diesem Kapitel schauen wir uns Bausparverträge als sehr spezielle Finanzprodukte an. 02 Ein Bausparvertrag ist ein spezielles Sparprodukt, das zur Finanzierung von Wohneigentum dient. Das Hauptziel eines Bausparvertrags besteht darin, den Erwerb, Bau oder die Renovierung von Immobilien finanziell zu unterstützen. Bausparverträge werden von sogenannten Bausparkassen angeboten, die sich auf dieses Finanzierungsmodell spezialisiert haben. 03 Wie funktioniert ein Bausparvertrag? Beim Abschluss eines Bausparvertrags vereinbart der Sparer mit der Bausparkasse eine bestimmte Bausparsumme. Diese Summe umfasst sowohl das angesparte Guthaben, als auch das später mögliche Bauspardarlehen. Dieses Konzept erlaubt es dem Sparer, über einen definierten Zeitraum hinweg regelmäßig Geld anzulegen, das zu einem festgelegten Zinssatz verzinst wird. Sobald bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, wie etwa das Erreichen der Mindestansparsumme, kann der Sparer ein zinsgünstiges Darlehen in Anspruch nehmen, um sein wohnwirtschaftliches Projekt zu realisieren. Ein Bausparvertrag ist also eine Kombination aus einem Sparvertrag und einem Darlehen. 04 Sie schließen dabei einen Vertrag mit einer Bausparkasse ab, in dem die Höhe der Bausparsumme festgelegt wird. Diese Summe stellt den maximalen Betrag dar, den Sie später als Darlehen erhalten können. Sie vereinbaren bei Abschluss eine Bausparsumme von zum Beispiel einhunderttausend Euro. Von dieser Bausparsumme müssen Sie einen bestimmten Teil monatlich einzahlen, meist um die zwei Promille, bei einhunderttausend Euro also zweihundert Euro. Das eingezahlte Guthaben wird mit dem vorher festgelegten Guthabenzins verzinst. Bei Abschluss des Bausparvertrages fällt eine Gebühr an, die man erst durch die Einzahlungen wieder ausgleichen muss. Man startet also meist im Minus. 05 Erreichen Sie ein bestimmtes Guthaben durch Zinsen und Einzahlungen, so wird der Bausparvertrag zuteilungsreif. Das bedeutet, dass Sie die Differenz zur vereinbarten Bausparsumme als Darlehen nehmen dürfen. Auch hier bekommen Sie das Darlehen zu einem zu Anfang festgelegten Zinssatz ausgezahlt. Wann der Bausparvertrag zuteilungsreif wird, hängt vom Tarif ab. Üblich sind vierzig bis sechzig Prozent der Bausparsumme. Man ist üblicherweise nicht gezwungen, das Darlehen abzurufen, sobald der Bausparvertrag zuteilungsreif wird. Der Kredit vom Bausparvertrag ist an wohnwirtschaftliche Zwecke gebunden, kann also nicht für beispielsweise ein Auto genutzt werden. 06 Die Abbildung zeigt den Verlauf und die Phasen eines Bausparvertrags, aufgeteilt in die Ansparphase, Zuteilung und Darlehensphase. Die vertikale Achse stellt die Bausparsumme dar, während die horizontale Achse den zeitlichen Verlauf abbildet. In der Ansparphase beginnt der Sparer mit regelmäßigen Einzahlungen auf den Bausparvertrag. Diese Phase startet bei Null und endet bei Erreichen der Mindestansparsumme, die in der Abbildung mit fünfzigtausend Euro angegeben ist. Während dieser Phase erhält der Sparer Zinsen auf sein eingezahltes Guthaben, was durch den nach oben ansteigenden grünen Bereich dargestellt wird. Diese Guthabenzinsen werden auf die eingezahlte Summe berechnet und erhöhen das Bausparguthaben. Zu Beginn der Ansparphase fällt eine Abschlussgebühr an, die als orangefarbener Balken eingezeichnet ist. Diese Gebühr wird einmalig zu Vertragsbeginn fällig. Die Zuteilung markiert den Übergang von der Ansparphase zur Darlehensphase und wird durch eine vertikale gestrichelte Linie dargestellt. Sie tritt ein, wenn bestimmte Voraussetzungen wie die Mindestansparsumme und Bewertungszahl erfüllt sind. Bei der Zuteilung wird das Bausparguthaben des Sparers festgelegt, in diesem Fall fünfzigtausend Euro, und er erhält die Option, ein Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen. Nach der Zuteilung beginnt die Darlehensphase. Hier kann der Sparer das Darlehen, das ebenfalls in Höhe von fünfzigtausend Euro bereitgestellt wird, nutzen. Dies wird durch den nach unten zeigenden grünen Bereich dargestellt. Während dieser Phase zahlt der Sparer den Darlehensbetrag in festen monatlichen Raten zurück, inklusive der festgelegten Darlehenszinsen. Die Rückzahlung erfolgt über einen vertraglich festgelegten Zeitraum, bis das Darlehen vollständig getilgt ist. 07 Für einen Bausparvertrag kommen unter Umständen einige Förderungen und Zulagen zusammen. Diese kommen vom Staat noch dazu, müssen aber unter Umständen zurückgezahlt werden, wenn man den Vertrag vorzeitig beendet. Beispielhafte Förderungen sind die Wohnungsbauprämie, die Arbeitnehmersparzulage sowie Wohnriester. 08 Unter Umständen muss man auch steuerliche Aspekte betrachten. Ein Freistellungsauftrag sorgt dafür, dass Zinserträge bis zu einem bestimmten Betrag steuerfrei sind. Die Wohnungsbauprämie und die Arbeitnehmersparzulage sind steuerfreie Zuschüsse unter bestimmten Bedingungen. Zinserträge oberhalb des Sparer-Pauschbetrags unterliegen der Abgeltungssteuer. 09 Eine Anpassung der Bausparsumme oder der monatlichen Sparrate sind meist möglich, jedoch oft mit Gebühren verbunden. Bei vorzeitiger Kündigung gibt es meist eine Wartezeit bis zur Auszahlung. Eine Kündigung ist meist möglich, aber oft mit Nachteilen wie den Verlust der Prämien verbunden. 10 Fassen wir abschließend die Vor- und Nachteile eines Bausparvertrags zusammen. Als Vorteile sind die niedrigen Darlehenszinsen zu nennen, die bei Vertragsabschluss festgelegt werden. Eine staatliche Förderung wie Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage sind ebenfalls von Vorteil. Planungssicherheit entsteht durch die festen monatlichen Raten. Flexibilität besteht in der Verwendung des Bausparguthabens für verschiedene wohnwirtschaftliche Zwecke. Nachteile sind, dass die Guthabenzinsen oft unter dem Marktzinsniveau liegen. Es gibt oft eine Abschlussgebühr und mögliche Kontoführungsgebühren. Es gibt eine lange Sparphase, denn bis zur Zuteilung kann es mehrere Jahre dauern. Und letztlich gibt es strikte Nutzungsvorgaben für das Darlehen.